Das Risiko des Auftretens demyelinisierender Erkrankungen unter Anti‑TNF-Therapie, einschliesslich der Multiplen Sklerose (MS), ist seit Langem bekannt.
Eine in JAMA Neurology publizierte Metaanalyse quantifiziert erstmals das Risiko für das Auftreten neuer Erkrankungsfälle.

Die Autoren schlossen 18 Beobachtungsstudien mit insgesamt nahezu einer Million Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen ein, von denen etwa 100 000 mit einem Anti‑TNF behandelt worden waren. Die mittlere Nachbeobachtungsdauer betrug rund 5 Jahre.
Das Risiko für neu auftretende demyelinisierende Erkrankungen des ZNS (MS, Optikusneuritis, transversale Myelitis sowie Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD)) war bei mit Anti‑TNF behandelten Patientinnen und Patienten im Vergleich zu jenen unter konventionellen Therapien ohne Anti‑TNF erhöht. Das Risiko war um 38 % gesteigert (relatives Risiko 1,38; 95 %-Konfidenzintervall 1,04–1,81).
In absoluten Zahlen lag die Inzidenz entzündlicher ZNS-Erkrankungen zwischen etwa 2 und 13 pro 10 000 Personenjahre.

Die Subgruppenanalyse zeigte, dass dieses erhöhte Risiko unabhängig von der behandelten Autoimmunerkrankung (rheumatische Erkrankungen, chronisch‑entzündliche Darmerkrankungen) sowie unabhängig vom eingesetzten Anti‑TNF ist, was für einen Klasseneffekt spricht.

Hervorzuheben ist, dass das absolute Risiko insgesamt gering bleibt. Dennoch werden eine regelmässige klinische Überwachung sowie die Sensibilisierung der Patientinnen und Patienten für das Auftreten neurologischer Symptome empfohlen.

Quelle:
CBIP, Folia Pharmacotherapeutica, Risque d’atteintes démyélinisantes centrales sous anti-TNF, avril 2026

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