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Nach der FDA im Jahr 2018 hat nun auch Swissmedic die Zulassung für eine sogenannte small interfering Ribonukleinsäure (siRNA) als Medikament erteilt. Patisiran (Onpattro®, Lipidnanopartikel zur i.v. Injektion, 10 mg/5 ml) wird zur Behandlung der hereditären Transthyretin-Amyloidose (hATTR-Amyloidose) bei erwachsenen Patienten mit Polyneuropathie der Stadien 1 oder 2 angewendet. Laut FDA sind weltweit etwa 50'000 Menschen von dieser seltenen Erbkrankheit betroffen.

Transthyretin (TTR) hat die Funktion eines Transportproteins für Thyroxin (T4) und Retinol in Blut und Liquor. Bei der hATTR wird aufgrund eines Gendefekts das Transportprotein Transthyretin in der Leber fehlerhaft gebildet und es kommt zu einer Anhäufung von unlöslichen TTR-Amyloiden, welche sich im Gewebe ablagern und insbesondere periphere Nerven, Herz, Niere und Augen schädigen können.

Patisiran ist der erste Vertreter einer neuen, RNA-gerichteten Wirkstoffklasse. Das Molekül interagiert spezifisch mit einer genetisch konservierten Sequenz der gesamten mRNA von mutiertem und Wildtyp-TTR. Durch einen natürlichen Prozess, der als RNA-Interferenz (RNAi) bezeichnet wird, bewirkt Patisiran den katalytischen Abbau der TTR-mRNA in der Leber, was zu einer Reduktion des TTR-Proteins im Serum und der Amyloiddepots im Gewebe führt.

Als häufigste Nebenwirkungen wurden u.a. infusionsbedingte Symptome (z.B. Hautrötungen, Rücken-, Bauch- und Kopfschmerzen, Dyspnoe), periphere Ödeme und Infektionen der oberen Atemwege registriert. Zudem kann es zu einem Abfall des Vitamin-A-Spiegels kommen, weshalb eine tägliche Supplementierung empfohlen wird.

Mit Vyndaqel® (Tafamidis) steht in einzelnen EU-Ländern für Patienten mit Transthyretin Amyloidose im frühen Stadium I bereits eine orale Therapie zur Verfügung, allerdings wird hier nicht direkt die Synthese von fehlerhaftem Transthyretin verhindert, sondern bestehendes Transthyretin stabilisiert und dadurch der Verlauf dieser komplexen Erkrankung verzögert. In der Schweiz hat Vindaquel® seit 2016 den Orphan-Drug-Status.

Forscher versprechen sich viel von der neuen Technologie, denn mit Hilfe von RNA-Interferenz-Wirkstoffen (syn. RNAi-Therapeutika) wie Patisiran sollen genetische Erkrankungen künftig besser behandelt werden können.

Quellen:
Onpattro® Fachinformation
Pharmazeutische Zeitung, 34/2018/p34
EMA RCP Vyndaqel®
Revue Médicale Suisse 528/2016/p1434

Link:
Deutsche Gesellschaft für Amyloiderkrankungen e.V., Hereditäre Amyloiderkrankungen

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