Verdauungsstörungen wie Übelkeit und Erbrechen, die durch GLP‑1‑Agonisten verursacht werden können, können die Nahrungsaufnahme und damit die Zufuhr von Vitaminen, einschliesslich Vitamin B1, verringern.
Ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) kann zu einem akuten Syndrom führen, das als Gayet‑Wernicke‑Enzephalopathie (WE) bezeichnet wird und häufig bei starkem Alkoholkonsum auftritt.
Die WE ist durch eine Symptom-Trias gekennzeichnet: Verwirrtheit, Ataxie und Lähmung der seitlichen Augenbewegungen oder Nystagmus.
Die Behandlung erfolgt durch die notfallmässige, parenterale Verabreichung von Vitamin B1, um potenziell irreversible neurologische Folgeschäden zu vermeiden, wie schwere und irreversible Gedächtnisstörungen (auch als Korsakow-Syndrom bekannt).
Die WE wird in den Fachinformationen der verschiedenen GLP‑1‑Agonisten nicht als Nebenwirkung erwähnt, obwohl mehrere Fallberichte in der Pharmakovigilanz-Datenbank der WHO erfasst sind. Es erscheint daher sinnvoll, die Serumspiegel von Vitamin B1 bei Patienten, die unter gastrointestinalen Nebenwirkungen von GLP‑1‑Agonisten leiden, regelmässig zu überwachen.
Quellen:
Prescrire, 511/2026/p353
Revmed, 26/2005/p1740


