Trotz seines Namens ist Gentianaviolett (INN: Methylrosanilinium) nicht natürlichen Ursprungs. Es ist ein synthetisches Industrieprodukt mit antibakteriellen, antiparasitären und antimykotischen Eigenschaften.

Als Lösung wird es manchmal zum Auftragen auf die Haut oder die Schleimhäute bei Brustwarzen-Candidose bei stillenden Frauen und bei Mundsoor bei Neugeborenen verwendet.

In Frankreich wird Gentianaviolett vom Centre national de recherche scientifique (CNRS) als krebserregend eingestuft. Nehmen Neugeborene die Substanz während des Stillens auf, kann dies gefährlich sein, wenn die Substanz länger als sieben Tage in hohen Konzentrationen verwendet wird. Bei gestillten Neugeborenen wurden Haut- und Mundirritationen, Ulzerationen im Mundbereich, Ösophagitis, Pharyngitis, Laryngitis und Gesichtsödeme als unerwünschte Wirkungen festgestellt.

Bei Brustwarzen-Candidose oder buccaler Candidose bei Säuglingen sind Antimykotika besser untersucht als Gentianaviolett. Ab Geburt kann eine orale Nystatin-Suspension oder ab 4 Monaten auch ein orales Miconazol-Gel verabreicht werden.

In Frankreich gibt die ANSM (Agence nationale de sécurité du médicament et des produits de santé) folgende Empfehlungen ab:
Die Herstellung von Präparaten auf Basis von Gentianaviolett zum Auftragen auf die Brustwarzen stillender Frauen darf nur auf ärztliche Verschreibung erfolgen.
Die Konzentration einer wässrigen Gentianaviolett-Lösung sollte 1,65 mg/100 g Lösungsmittel (entsprechend 0,00165 Prozent m/m) nicht überschreiten.
Die Behandlungsdauer sollte auf 7 Tage begrenzt werden.
Dementsprechend sollen in der Apotheke Fläschchen mit maximal 10 ml Inhalt abgegeben werden.

Quellen:
La Revue Prescrire, Violet de gentiane pendant l’allaitement : irritant et cancérogène, 441/2020/p510
ANSM, Préparations à base de violet de gentiane : recommandations pour les prescripteurs et les pharmaciens sur l’utilisation du violet de gentiane dans le cadre de l’allaitement maternel, juin 2022

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