Allgemeines:
Das Legen eines transurethralen Blasenverweilkatheters (auch Dauerkatheter oder Ballonkatheter genannt) besteht darin, einen mit einem Ballon versehenen Katheter über die Harnröhrenöffnung (Meatus urethrae) in die Blase einzuführen, um einen kontinuierlichen Urinabfluss über einen längeren Zeitraum sicherzustellen.

Das Legen eines Ballonkatheters sollte als geschlossenes System erfolgen. Das bedeutet, der Katheter wird steril mit dem Urinbeutel verbunden – entweder mittels eines vom Hersteller vorab angeschlossenen Systems oder durch eine vom Pflegepersonal vor dem Einführen des Katheters steril hergestellte Verbindung. Dieses Vorgehen gewährleistet ein hermetisch geschlossenes, steriles System und reduziert das Infektionsrisiko.


Kathetertypen:
Bei Dauerkatheterisierungen kommen entweder 2-Wege-Katheter oder 3-Wege-Katheter (sogenannte Spülkatheter) zum Einsatz.

Ein 2-Wege-Katheter besitzt:

_einen zentralen Drainagekanal für den Urinabfluss
_einen Kanal zum Aufblasen des Ballons

Ein 3-Wege-Katheter verfügt über einen zusätzlichen Kanal zum Anschluss einer Spüllösung (meist 0,9 % NaCl-Lösung). 3-Wege-Katheter werden eingesetzt, um gleichzeitig die Blase zu spülen und zu drainieren – insbesondere nach Prostata- oder Blasenoperationen oder bei starker Hämaturie (Blut im Urin).


Durchmesser:

Der Katheterdurchmesser (Kaliber) ist in Charrière-Einheiten (CH) – auch French (FR) genannt – standardisiert und entspricht dem äusseren Durchmesser des Katheters (1 CH/FR = 0,33 mm). Eine Farbkennzeichnung hilft, das jeweilige Kaliber zu erkennen. Bei gleichem Charrière-Wert (identischem Aussendurchmesser) haben Silikonkatheter aufgrund der Materialstärke einen grösseren Innendurchmesser als Latexkatheter.

Übliche Charrière-Grössen und entsprechende Anwendungsbereiche*:

_CH06 - CH12: pädiatrisch (für Kinder)
_CH14 - CH18: Erwachsene (für Frauen CH14 - CH16 empfohlen, für Männer CH16 - CH18)
_CH20 - CH24: Erwachsene (bei starker Hämaturie mit Gerinnselbildung, bei notwendiger Blasenspülung oder ausgeprägter Prostatahyperplasie)
 
*Diese Angaben dienen nur zur Orientierung und können je nach Quelle variieren.


Ballon:
Die Grösse des Ballons (Blockungsballons) hängt vom Hersteller empfohlenen Füllvolumen ab. Dieses Volumen ist am proximalen Ende des Füll-/Blockungskanals angegeben. Der Ballon wird üblicherweise gefüllt mit:

_sterilem Wasser oder
_einer 10%igen Wasser-Glycerin-Mischung (am gebräuchlichsten)

NaCl 0,9 % darf nicht verwendet werden, da sich Kristalle im Ballon bilden können, die den Entleerungskanal verstopfen.


Spitzenform:

Die gebräuchlichsten Katheterspitzen-Formen sind:

_Nelaton: gerade (zylindrisch)
_Tiemann: gebogen (gekrümmt)

Ein Katheter mit Tiemann-Spitze erleichtert das Einführen bei Männern mit vergrösserter Prostata (Prostatahyperplasie) oder bei schwierigen Katheterisierungen. Es existieren auch weitere spezielle Spitzenformen wie z. B. Mercier, Dufour, Couvelaire, Flöte (Couvelaire oder Dufour), deren Verwendung jedoch seltener und nur bei besonderen Indikationen erfolgt.


Länge:
Blasenkatheter für Männer sind in der Regel ca. 40–45 cm lang, während diejenigen für Frauen etwa 20–25 cm lang sind (entsprechend der kürzeren weiblichen Harnröhre). Heutzutage sind jedoch die längeren Katheter (40–45 cm) weit verbreitet und werden oft auch bei Frauen verwendet. In der Pädiatrie verwendet man Katheter mit einer Länge von ungefähr 30 cm.


Material:
Übliche Kathetermaterialien auf dem Markt sind:

_100 % Latex: kostengünstig und geeignet für eine sehr kurze Liegedauer (ca. 7 Tage*). Solche Katheter werden jedoch immer seltener verwendet;
_Latex mit Silikonbeschichtung: vereint die Flexibilität des Latex mit der Biokompatibilität von Silikon; geeignet für eine kurze Liegedauer (max. 2–3 Wochen*);
_100 % Silikon: geeignet für eine längere Liegedauer (3–6 Wochen*) oder bei Latexallergie.
 
*Diese Angaben dienen nur zur Orientierung und können je nach Quelle variieren.


Mandrin:
Ein Mandrin ist ein flexibler Metallführungsstab, der in den Katheter eingeführt wird, um ihn zu versteifen und das Einführen zu erleichtern – insbesondere bei verengter oder verlegter Harnröhre (Stenosen oder Obstruktionen).


Hinweis:
Die Auswahl der Anzahl der Katheterwege, des Materials, der Spitzenform sowie des Durchmessers liegt in jedem Fall im Ermessen des verschreibenden Arztes.

Zur besseren Orientierung wurde zusätzlich eine Tabelle der auf dem Schweizer Markt erhältlichen, mit Pharmacode versehenen Produkte erstellt (kein Anspruch auf Vollständigkeit).

Quellen:
omedit-centre.fr, Le sondage à demeure
fr.ch, Sondage vésical chez l’adulte
msdmanuals.com, Sondage vésical
reussistonifsi.fr, Sonde urinaire : indications, pose er surveillance – guide infirmier

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