Das BAG informiert:
Radioaktive Stoffe werden in der Medizin, Industrie und Forschung täglich sicher eingesetzt. Gelangen sie jedoch versehentlich oder unbewilligt in den Warenverkehr, können Risiken für Mensch und Umwelt entstehen. Die Schweiz überwacht deshalb bereits heute Warenströme auf radioaktive Materialien und baut mit Portalmonitoren ihre Messinfrastruktur gezielt aus, um verdächtige Strahlungsquellen frühzeitig zu erkennen.
Warum werden Waren auf Radioaktivität kontrolliert?
Radioaktive Stoffe sind in Medizin, Industrie und Forschung unverzichtbar. Solange sie korrekt gelagert, transportiert und überwacht werden, ist ihr Einsatz sicher.
Gelangt radioaktives Material jedoch unbeabsichtigt oder illegal in den Warenverkehr, etwa wenn es verloren geht oder falsch entsorgt wird, kann dies Risiken für Mensch und Umwelt mit sich bringen. Genau hier setzen die Radioaktivitätskontrollen an der Schweizer Grenze an.
Ziel der Kontrollen ist, verdächtige Strahlungsquellen frühzeitig zu erkennen, sodass weitere Abklärungen eingeleitet und der Transport bei Bedarf gestoppt werden kann. So leisten die Messsysteme einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung, der Umwelt und der Sicherheit der Schweiz.
Wie wurden die Kontrollen bisher durchgeführt?
Die Radioaktivitätskontrollen an den Schweizer Grenzübergängen erfolgten bisher hauptsächlich in Form mobiler Stichproben; das BAG, das Labor Spiez und das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) arbeiten dafür eng zusammen. Diese mobilen Kontrollen bleiben auch künftig wichtig: Sie können flexibel eingesetzt werden, erhalten die Messkompetenz der beteiligten Stellen und sind vor allem in ausserordentlichen Lagen, etwa nach einem nuklearen Ereignis im Ausland, von grosser Bedeutung.
Mobile Stichproben haben jedoch Grenzen: Sie sind lückenhaft und ermöglichen keine kontinuierliche Überwachung. Zwischen den Messeinsätzen bleibt ein grosser Teil des Warenverkehrs ungemessen.
Wie ergänzen neue Messsysteme die bestehenden Kontrollen?
Die Schweizer Messinfrastruktur wird mit fix installierten Portalmonitoren ausgebaut. Diese ergänzen die mobilen Kontrollen und ermöglichen eine kontinuierliche Früherkennung von falsch deklariertem oder illegal transportiertem radioaktivem Material. Dazu gehört auch sogenanntes herrenloses radioaktives Material; das ist die Bezeichnung für radioaktives Material, das sich ausserhalb jeglicher behördlicher Kontrolle befindet – sei es, weil es nie registriert wurde, verloren ging, gestohlen wurde oder unsachgemäss entsorgt worden ist.
Seit April 2026 verfügt die Schweiz über ein erstes fixes Messportal. Längerfristig ist ein Netz von mehreren Portalmonitoren an ausgewählten Grenzübergängen auf der Strasse, an Flughäfen und in Paketzentren vorgesehen. Radioaktive Stoffe sollen nicht unkontrolliert in Warenströme, Recyclingprozesse oder Konsumprodukte gelangen – und auch nicht für möglichen Missbrauch verfügbar sein.
Wie funktionieren die neuen Portalmonitore?
Die Portalmonitore messen, ob von Fahrzeugen, Waren, Paketen oder Gepäck sogenannte ionisierende Strahlung von allenfalls vorhandenem radioaktiven Material ausgeht. Sie messen passiv; das heisst, dass die Geräte selbst keine Strahlung aussenden. Die Messung erfolgt automatisch und beeinträchtigt den normalen Warenverkehr in der Regel nicht.
Die Systeme sind bewusst empfindlich eingestellt, damit auch geringe Mengen radioaktiven Materials zuverlässig erkannt werden. Löst ein Portal einen Alarm aus, bedeutet das deshalb nicht automatisch eine Gefahr – es bedeutet zunächst lediglich, dass die gemessene Strahlung abgeklärt werden muss.
Was kann entdeckt werden?
- falsch deklarierte oder illegal transportierte radioaktive Stoffe (Schmuggel)
- kontaminierte Waren aus internationalen Lieferketten
- kontaminierter Abfall oder verunreinigter Schrott
- radioaktive Altlasten aus früheren Anwendungen (Uhren mit Radium-Leuchtfarbe, thoriumhaltige Kameralinsen)
- natürlich radioaktive Rohstoffe, Natursteine, Dünger oder Mineralien
- In einem Ereignisfall, z. B. nach einem nuklearen Ereignis im Ausland: Waren, Fahrzeuge oder Gegenstände aus betroffenen Regionen
Internationale Beispiele zeigen, dass radioaktive Kontaminationen unbeabsichtigt in globale Warenströme gelangen können. Auch die Internationale Atom Energie Organisation (IAEA) berichtet jährlich über zahlreiche Fälle von verlorenen, gestohlenen oder aufgefundenen radioaktiven Quellen. Zwar ist nur ein kleiner Teil dieser Fälle mit Schmuggel oder böswilliger Verwendung verbunden; die IAEA betont jedoch, dass solche Szenarien nicht ausgeschlossen werden können und deshalb kontinuierliche Wachsamkeit und geeignete Kontrollen weltweit erforderlich sind.
Wie reagieren das BAZG und das BAG bei einem Alarm?
Das Zollpersonal prüft bei einem Alarm als erstes die Frachtpapiere. Häufig lässt sich eine erhöhte Strahlung durch natürlich vorkommende radioaktive Materialien erklären, sogenannte NORM (Naturally Occurring Radioactive Material) – etwa Natursteine, Dünger oder mineralische Rohstoffe. Die von NORM verursachten Werte sind in der Regel unbedenklich. Lässt sich die erhöhte Strahlung nicht eindeutig auf solche Materialien zurückführen, erfolgt eine detaillierte Kontrolle mit einem Handmessgerät. Bei stark erhöhter Strahlung wird das Fahrzeug gesichert abgestellt und es werden die Fachexpertinnen und Fachexperten des BAG beigezogen.
Seit der Inbetriebnahme des ersten Portals im April 2026 wurden mehrere Alarme ausgelöst; bisher konnten alle erhöhten Strahlungswerte auf natürliche Radioaktivität zurückgeführt werden.
Was passiert, wenn tatsächlich radioaktive Materialien detektiert werden?
Das BAZG führt die Messungen durch und übernimmt die erste Abklärung bei Auffälligkeiten. Das BAG unterstützt die Ausbildung des Zollpersonals und wird bei fachlich anspruchsvollen oder sicherheitsrelevanten Fällen beigezogen. Wird tatsächlich radioaktives Material gefunden, wird es gesichert. Je nach Fall wird das Material zurückgewiesen, in der Schweiz fachgerecht entsorgt oder mit einer entsprechenden Bewilligung freigegeben. Wer in der Schweiz mit bewilligungspflichtigem radioaktivem Material umgehen will, braucht eine Bewilligung des BAG.
Auch für die internationale Zusammenarbeit sind diese Messungen von Bedeutung: Nicht alle Länder kontrollieren Ein- und Ausfuhren radioaktiver Materialien gleich engmaschig. Mit den Messungen können auffällige Waren oder Lieferketten aber erkannt und Informationen mit anderen Ländern geteilt werden, wodurch weitere, gezielte Kontrollen veranlasst werden können.
Welche Rolle spielt die sicherheitspolitische Lage?
Der Ausbau der Messinfrastruktur an der Schweizer Grenze ist auch eine Antwort auf die veränderte sicherheitspolitische Lage. Er erfolgt nicht aufgrund einer konkreten unmittelbaren Bedrohung an der Schweizer Grenze, sondern soll helfen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Aus sicherheitspolitischer Sicht ist insbesondere ein möglicher Missbrauch radioaktiver Stoffe relevant. Dazu zählt etwa der Einsatz in einer sogenannten Dirty Bomb, eines konventionellen Sprengkörpers, der radioaktives Material verbreitet.
Auch nukleare Ereignisse im Ausland müssen vorsorglich mitgedacht werden. Bei einem schweren Reaktorunfall könnten aufgrund des radioaktiven Staubs kontaminierte Waren oder Fahrzeuge in die Schweiz gelangen. Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten haben gezeigt, dass die Sicherheit nuklearer Anlagen in Krisengebieten in den Fokus geraten kann. Eine grenznahe Messinfrastruktur verhindert solche Ereignisse nicht, sie kann aber dazu beitragen, Kontaminationen frühzeitig zu erkennen und die Behörden bei der Lagebewältigung zu unterstützen.
Quelle:
BAG, Radioaktivitätskontrollen an der Schweizer Grenze


