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Die klinische Studie Discovery wurde in mehreren europäischen Ländern und in der Schweiz gestartet und hat zum Ziel, vier experimentelle Behandlungen gegen Covid-19 zu evaluieren. Dies ermöglicht, alle Daten zu denjenigen Behandlungen zu sammeln, welche von der WHO als prioritär eingestuft werden: Kombination Lopinavir/Ritonavir mit oder ohne Interferon beta, Remdesivir und Chloroquin. Die ersten Resultate werden in etwa sechs Wochen erwartet.

Die Kombination der Virostatika Lopinavir/Ritonavir (LPV/r), welche zur Behandlung von HIV-Infektionen zugelassen ist, wurde bereits bei anderen Coronaviruserkrankungen (SARS, MERS-CoV) eingesetzt, auch als Tritherapie zusammen mit dem Immunmodulator Interferon beta.

Chloroquin/Hydroxychloroquin: Diese beiden Moleküle zeigten in-vitro eine antivirale Wirkung gegen SARS-CoV-2. Da sie seit langem zur Malariabehandlung eingesetzt werden, ist ihr Sicherheitsprofil bereits bekannt. Zu den häufigsten kurzfristigen Nebenwirkungen gehören insbesondere QT-Verlängerung und gastro-intestinale Effekte. Seltener treten auch Zytopenien und anaphylaktische Reaktionen auf.
Chloroquin machte viel von sich reden und wurde vereinzelt vorzeitig als Wundermittel gepriesen. Diese Studie bietet nun Gelegenheit, verlässliche Daten in grösserem Massstab zu sammeln.

Remdesivir: Auf Grundlage sehr begrenzter präklinischer Daten weist dieses Molekül einen möglichen aber ungewissen Nutzen auf. Das Sicherheitsprofil ist aber grundsätzlich gut. Remdesivir wird von Gilead zur Anwendung im Compassionate-use vertrieben.

Da in der Schweiz für andere Indikationen zugelassen, werden LPV/r, Interferon beta und Hydroxychloroquin sulfat (Plaquenil®) wohl in bestimmten Spitälern in der Romandie bei Covid-19-Patienten zur Anwendung kommen. Das Unispital Genf (HUG) hat bereits verschiedene Therapiestrategien bei SARS-CoV-2 geprüft und schlägt von Fall zu Fall ein pragmatisches und stufenweises Vorgehen vor, abhängig vom klinischen Schweregrad: Verabreichung von LPV/r in einem ersten Schritt, gegebenenfalls ergänzt durch eine Dosis Hydroxychloroquin. Bei Patienten, die auf die Intensivstation verlegt werden müssen, kann eine Behandlung mit Remdesivir oder Tocilizumab (Actemra®) in Betracht gezogen werden. Tocilizumab wurde von italienischen Teams eingesetzt, die eine klinische Wirkung bei Patienten mit erhöhten Entzündungsparametern gesehen haben.

Quellen:
Inserm, Lancement d’un essai clinique européen contre le Covid-19
HUG Stratégies thérapeutiques SARS-CoV-2
aerzteblatt.de, WHO testet in globaler Studie 4 Therapeutika auf Wirkung bei COVID-19

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